Jan Mövius und Maximilian Rödel
All Change
Ausstellungsdauer:
14.03. – 16.05.2009
Vernissage:
Freitag, 13.03.2009, 19 bis 21 Uhr
Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Freitag von 13 Uhr bis 19 Uhr
Samstag von 13 bis 18 Uhr
Mit der Ausstellung All Change verabschiedet sich die Galerie Dieter Reitz von ihrem dreijährigen Stammplatz in der Sophienstrasse 34. Der zeitgemäße Titel kündigt allerdings einige bevorstehenden Veränderungen an, die die Galerie ihren Freunden und Förderer demnächst verspricht.
Nicht nur ein Ortswechsel, sondern auch einige Erweiterungen bzw. Ergänzungen im Programm der Galerie werden für die Zukunft geplant. Die aktuelle Ausstellung gibt somit eine Stichprobe für die künftige temporäre Projektarbeit der Galerie. Wir wenden uns hier zum ersten Mal der jungen Berliner Kunst zu und zeigen zwei künstlerische Positionen, die sich ausschließlich der Malerei verschrieben haben.
Jan Mövius (*1976 in Strausberg), ein ausgebildeter Bronzeziseleur, studiert seit 2004 Malerei an der Universität der Künste (UdK) Berlin.
In der Ausstellung präsentiert er großformatige neo-figurative Bilder, deren literarisch anmutende Titel die Auseinandersetzung des Malers mit den anderen Kunstgattungen verraten. Tatsächlich interessiert er sich außer Malerei auch für Literatur, Bühnenkunst und Film, die er in seinen Arbeiten zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen lässt.
Dabei geht es Jan Mövius weder um die Widergabe des Inhalts eines literarischen Werkes noch um die bloße Erzählung einer oder anderen Geschichte. Vielmehr ist es ein Prozess der Wahrnehmung, in dem der Künstler die Atmosphäre also die Essenz des Werkes langsam ergründet und nachempfindet. Gleichzeitig sucht er nach der kongenialen Bildgestalt, die er mittels Formen, Farben und Kompositionen sukzessiv entwickelt. Die eigenen Kindheitserinnerungen und Sinneseindrücke der Gegenwart fließen gleichberechtigt mit hinein.
Wie Blätter eines Buches breitet er seine wahrgewordenen Empfindungen neben- und übereinander aus, schichtet sie so, dass die einzelnen Formationen ineinander übergehen, miteinander korrespondieren, einander beeinflussen. Dieses auf einander Reagieren gleicht einer chemischen Reaktion, in der aus diversen grundverschiedenen Komponenten etwas qualitativ Neues und Homogenes entsteht. Die Vielfalt an filigran ausgeführten Details erfüllt das Ganze mit Leben und verhilft den Bildern zu ihrer raumgreifenden und organischen Wirkung.
Die Kompositionen sind von einer inneren Bewegung erfüllt, sie verändern sich Im Laufe der Betrachtung, manches entsteht und manches vergeht. Dauernd tritt das Unerwartete hinzu: Formen, die zerfließen; Farben, die verfremden; Kompositionen, die umkippen; Perspektiven, die täuschen. Das Malerische geht ins Zeichnerische über, das Figurative ins Abstrakte. Die Grenzen von einer in die andere Welt sind fließend. Wie durch den Wink eines Zauberstabs beginnen die festen Formen zu zerfallen und lösen sich in wunderschönen, duftigen Wirbeln aus Linien und Farben auf. Der Betrachter taucht in eine traumartige Bilderwelt ein, die in ihm eine Kette von Gefühlen, Erinnerungen und Assoziationen auslöst. Eine illusorische Welt der Kunst.
Auch Maximilian Rödel (*1984 in Braunschweig) gelingt es, unsere Sinne und unsere Fantasie mit seinen abstrakten Arbeiten anzusprechen. 2008 kam er in die Hauptstadt, um sein 2005 an der Hochschule der Künste Braunschweig begonnenes Studium der Malerei, an der Universität der Künste in Berlin fortzusetzen.
Die Großformate und Wandinstallationen, die er in der Ausstellung zeigt, fangen sofort unseren Blick auf und wollen ihn nicht mehr frei geben. Es ist nicht das Sujet, sondern in erster Linie die Harmonie, die Ausgewogenheit der ganzen Komposition, die im Betrachter ein Echo auslöst. Denn hier wird auf eine äußerst subtile Art eine Saite in uns berührt, die für unsere Sehnsüchte zuständig ist. Dabei gibt es gar nicht viel zu sehen in diesen großen und kleinen kühl glänzenden Bildern.
Der aus vielen Farb- und Lackschichten bestehender Bildaufbau wird von mehreren Horizontalen getragen, was an sich schon eine Illusion der Tiefe erzeugt. In vielen kleineren Formaten werden einige Farbtupfer als Akzente oder Kontraste eingesetzt. Ansonsten ist die Farbpalette eher reduziert und geht in den großen Bildern sogar ins Monochrome über. Der silbrige Dunst erfüllt die Leinwände und schafft eine eigenartige vibrierende Atmosphäre, die eine unermessliche Tiefe ahnen lässt. Es ist wenig Transparenz da, als ob eine dicke Schleierschicht über die Oberfläche gezogen wird, die nur hier oder da sich zu lüften scheint. Aber wie real ist das, was wir dadurch zu sehen glauben, ist eine andere Frage.
Das bloße Auge kann mühelos einige Bewegungen des Spachtels nachvollziehen, mit denen eine Richtung vorgegeben, eine Bewegung vorgetäuscht oder sogar eine oder andere Form suggeriert wird. Die Formbildung ist der Komposition zwar untergeordnet, aber gerade hier findet sich das aufregendste Spiel des Zufalls statt, mit dem der Künstler so gerne um Perfektion wettet. Die Formen, die aus diesem Spiel hervorgehen, sind weder konkrete Gegenstände noch abstrakte Symbole. Sie entfalten sich aus der Vereinigung von Komposition und Farbe und sind vielmehr freie Zeichen, die wie Katalysatoren unsere Fantasie beeinflussen. Wie Meilensteine auf unserer kontemplativen Reise durch diese anmutigen und geheimnisvollen romantischen Landschaften.
Jan Mövius
"Faust", 2008
Öl auf Leinwand,150x200m
Maximilian Rödel
"Ein Fest jeden Tag in euren Herzen“, 2009
Öl auf Leinwand, 40 x 50 cm


